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Suchtmedizinische Behandlung

Die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin Agatharied hat einen Versorgungsauftrag für die Landkreise Miesbach, Bad-Tölz – Wolfratshausen, Weilheim – Schongau.

Jährlich entgiften ca. 300 – 400 suchtkranke Patienten. Schwerpunkt ist die Entgiftung von Alkoholabhängigen. Daneben werden Medikamentenabhängige und Drogenabhängige entgiftet.
Die Entzugsbehandlung dauert in der Regel bei Alkoholabhängigkeit 14 Tage, bei anderen Suchtstoffen wie z.B. Heroin oder Polytoxikomanie bzw. nichtstofflichen Süchten wird differenziert auch bis zu 4 Wochen angesetzt. In der Klinik gibt es keine reine Suchtstation, keine geschlossene Station und auch keine Aufnahmestation. Die Patienten sind auf offenen allgemeinpsychiatrischen Stationen untergebracht, werden einerseits vom Stationsteam, andererseits übergreifend von einem Suchtteam betreut.
Die Anmeldung zur Aufnahme erfolgt über den Dienstarzt, das Suchtteam oder über die bisherige Bezugsperson (Pflegepersonal, ärztl./ psychologische Mitarbeiter, „Kreativtherapeuten“). Das Suchtteam besteht aus Ärzten, Sozialpädagogen und Pflegepersonal.

Therapeutische Konzeption
Es wird auf allen Stationen einerseits eine qualifizierte, nach den derzeitigen suchtmedizinischen Standards ausgerichtete Entzugsbehandlung von Alkohol, Medikamenten und Drogen, andererseits eine Beigebrauchsentzugsbehandlung von Methadon/Polamidon substituierten Patienten unter Beibehaltung der Substitution angeboten. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, alternative Behandlungsmethoden (Akupunktur) in Anspruch zu nehmen. Gleichzeitig erfolgt die Diagnostik und Therapie körperlicher und psychischer Grund -bzw. Begleit- und Folgeerkrankungen.
Unter strukturierten Bedingungen und durch transparentes Handeln wird dem Patienten mit psychosozialer Begleitung ein Rahmen geboten, ein suchtmittelfreies, selbstverantwortliches Leben kennenzulernen.
Gleichzeitig wird durch das Stationäre Setting dem sogenannten „Stammtisch- und Szeneverhalten“ entgegengewirkt.
Neben der medizinischen Entzugsbehandlung richtet sich der Fokus der Behandlung auf die Entwicklung, Förderung und Vertiefung der Ressourcen jedes einzelnen Patienten. Dabei wird die Abstinenzunterbrechung während des stationären Aufenthaltes als Lösungsmöglichkeit mitberücksichtigt. Sie ist Ausdruck innerer Konflikthaftigkeit und der Suchterkrankung an sich. Voraussetzung für die Entzugsbehandlung ist die Akzeptanz des Patienten für das vorgegebene Setting einerseits, andererseits eine Eigenverantwortung und Mitbestimmung des Weiteren therapeutischen Vorgehens. Dies wird in einer Behandlungsvereinbarung mit dem Patienten dokumentiert, der individuell abgestimmt und für die Zeit des Aufenthaltes bindend ist.
Abhängig von Motivationslage, Ressourcen, intellektuellen Fähigkeiten sowie Introspektionsfähigkeit und Reflexionsfähigkeit der Patienten erhalten diese die Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen.
Um den Transfer spezieller Suchtthemen, die übergreifend in Gruppen behandelt werden, auf Station zu gewährleisten, werden in regelmäßigen Teamkonferenzen der jeweilige therapeutische Beitrag von allen Beteiligten reflektiert und koordiniert.
Der an die Patienten ausgegebene Therapiepass dokumentiert einerseits die Einbindung auf Station, andererseits die in den übergreifenden suchtspezifischen Behandlungsbausteinen.

Therapieverfahren
Das Behandlungskonzept beinhaltet folgende Bausteine. Die Teilnahme an all diesen Bausteinen ist, je nach Zustandsbild, verbindlich.

Therapeutisches Gruppenangebot
1 – 2 x täglich stattfindende Gesprächsrunde von ca. 30 Min. Dauer. Diese Gesprächsrunde findet auf jeder Station statt, wodurch die Integration aller Patienten gefördert wird. Dies sichert auch vielfältige Informationen über die physische und psychische Situation des einzelnen Patienten, aber auch über die Stimmungslage in der Gruppe und deren Probleme.
Sich anbahnende Krisensituationen können dadurch erkannt und ihnen wirksamer entgegengewirkt werden. Weiterhin gibt es im Rahmen der aktivierenden Pflege stationsinterne Angebote wie z. B. Kochen, Backen, Zeitungsgruppe usw. Außerdem werden die Patienten angehalten, kleinere Dienste (Verantwortung) innerhalb der Station zu übernehmen.

Stationsübergreifende Gruppenangebote
Es besteht ein zweimal wöchentlich stattfindendes Gruppenangebot als offene Gesprächsgruppe, das sowohl kognitiv verhaltenstherapeutisch als auch sozialtherapeutisch ausgerichtet ist. In den jeweils 60-minütigen Gruppensitzungen haben die Patienten die Möglichkeit, Probleme die sich aus der Abhängigkeit ergeben, mit Mitbetroffenen anzusprechen und Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. Ein weiterer wesentlicher Bestandteil ist die Analyse und Bewältigung von Rückfällen. Die Motivation zur weiteren Abstinenz kann dadurch gestützt und weiter gefördert werden.
Diese Gesprächsgruppe wird als „Vormittags-„ und „Nachmittagsgruppe“ angeboten, so dass, je nach individuellem Bedürfnis, die Möglichkeit zur Nutzung weiterer therapeutischer Angebote besteht. Die Teilnahme erfolgt nach vorheriger Anmeldung durch die Bezugspflege bzw. den Bezugstherapeuten.

Weitere Angebote:

  • Ergotherapie
  • Musiktherapie
  • Kunsttherapie
  • Mototherapie
  • Entspannungstherapie
  • Selbstsicherheitstraining / soziale Fitness

Externes Angebot:
Suchtberatung
Zusätzlich zu den beschriebenen Behandlungsbausteinen bieten einmal in der Woche die Fachambulanzen für Suchterkrankungen der Landkreise eine Orientierungsgruppe mit gleichzeitiger Beratung an. Im Bedarfsfall stellen sich stationäre und teilstationäre Einrichtungen vor. Eine Integration zwischen Entzugs -, stationärer Entwöhnungsbehandlung sowie ambulanter suchtspezifische Weiterbehandlung wird dadurch gefördert und gesichert.

Selbsthilfegruppen – AA, - Blaues Kreuz - Kreuzbund
Regelmäßige Besuche von Mitgliedern von Selbsthilfegruppen, die ebenso 1x wöchentlich stattfinden, können den Patienten bei der Einbindung in das Hilfesystem helfen.

Ambulanz
Die Koordinierung der ambulanten Behandlung erfolgt durch Mitarbeiter unserer Institutsambulanz, die im engen Kontakt mit dem Suchtteam stehen bzw. z.T. dem Suchtteam angehören.
In diesem Rahmen besteht für die Patienten das Angebot zu Einzelgesprächen und Krisenintervention. Ebenso kann durch Vorgespräche eine stationäre Entgiftungsmaßnahme vorbereitet werden.
Weiterhin haben die Patienten, die bereits entlassen und an einer Einbindung in weiterführende suchtspezifische Einrichtungen nicht interessiert sind, die Möglichkeit ambulant an unserem Programm teilzunehmen. Die Suchtambulanz bietet des weiteren Hausbesuche und engmaschige psycho-soziale Begleitung an.
Als  zusätzliches Angebot bietet die Ambulanz eine offene Suchtsprechstunde an, die nach Vereinbarung  in Anspruch genommen werden kann. Diese können sowohl Betroffene und auch Angehörige kurzfristig in Anspruch nehmen.

Praktisches Vorgehen
Der Aufnahmemodus ist auf allen Stationen einheitlich. Bei Aufnahme wird der Patient möglichst schon von der Person begrüßt, die auch während des stationären Aufenthaltes Bezugstherapeut ist (Pflege, Arzt/ Psychologe).
Die Behandlungsvereinbarung, die der Patient bereits bei Aufnahme vorgelegt wird, ist ebenso einheitlich und wird mit dem Bezugstherapeuten durchgesprochen. Sämtliche mitgebrachten Gegenstände werden im Beisein des Patienten auf Suchtmittel und süchtig machende Substanzen untersucht.
Nach Anamneseerhebung, körperlich neurologischer Untersuchung sowie Routineuntersuchungen wird ein individuelles Schema für die weitere medizinische Behandlung und das weitere therapeutische Vorgehen mit dem Patienten erstellt.
Die Kontrolle der Behandlung findet in regelmäßigen Visiten statt. Ebenso findet ein regelmäßiger Kontakt mit dem Suchtteam statt, das sich bei dem Patienten vorstellt und zusammen mit dem Stationsteam das suchtspezifische Programm erläutert und den Patienten einbindet.
Der ständige Austausch zwischen Stations- und Suchtteam über bzw. mit den Patienten wird auf einem einheitlichen Dokumentationsblatt festgehalten. Der Therapiepass, der die Teilnahme an den suchtspezifischen Behandlungsbausteinen dokumentiert, wird dem Bezugstherapeuten auf Station in der Visite vorgelegt und besprochen. Weiterhin sind die Patienten auf allen Stationen angehalten, Kontakt zu ihren Beratungsstellen und Therapieeinrichtungen etc. zu halten.
Im Falle einer Abstinenzunterbrechung im stationären Rahmen wird die Motivation zur weiteren Entzugsbehandlung durch eine dreitägige Ausgangssperre, eine schriftliche Analyse und Einzelgespräche mit dem Bezugstherapeuten geklärt.
Weiterhin sollte die Abstinenzunterbrechung in den übergreifenden suchtspezifischen Gruppen bearbeitet werden. Diese Vorgehensweise ist auch auf allen Stationen einheitlich. Sollte sich der Patient dafür entscheiden, die Entgiftungsmaßnahme zu beenden, hat er die Möglichkeit, durch ambulante Kontakte seine Zielsetzung zu überprüfen.

 

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